Steuern: Walisische Kleinunternehmer ahmen Konzerne nach

Steuern: Walisische Kleinunternehmer ahmen Konzerne nach

Während einige internationale Konzerne, die in Europa Milliardengewinne machen, dank steuerlicher Schlupflöcher keine oder nur äußerst geringe Steuern abführen, zahlen die kleinen Händler, Dienstleister und Gastronomen Europas brav weiter. Moment mal? Ganz Europa? Nein, denn ein kleines walisisches Dorf hat es selbst in die Hand genommen und möchte Widerstand leisten. Crickhowell, so der Name der 2000-Seelen-Gemeinde, die auch einige Unternehmen beherbergt.

Kapieren und kopieren

Die Unternehmer von Crickhowell dachten sich einfach, was die großen Konzerne können, muss auch für kleine Betriebe möglich sein. Sie sahen sich dazu das Steuermodell der Kaffeehauskette Caffè Nero´s näher an, die auch einen Standort auf der für niedrige Steuern bekannten Insel Isle of Man nutzt und obgleich ihrer Umsätze in Milliardenhöhe in den letzten Jahren keinen einzigen Penny an Körperschaftssteuer zum britischen Steuerhaushalt beigetragen hat. Dieses Modell wollen die Kleinunternehmer aus Wales nun kopieren.

Mit Unterstützung der BBC, die eine Dokumentation zu dem Thema in eben jener Region dreht, haben sich die Unternehmer Crickhowells ein Konzept zusammen gebastelt, das ihre Steuerbelastungen auf nahezu Null reduzieren sollte. Dieses haben sie nun auch den lokalen Steuerbehörden vorgestellt, die sich nun in einer Zwickmühle befinden. Denn stimmen sie zu, entgehen ihnen entsprechende Steuereinnahmen. Erteilen sie den Kleinunternehmern eine Absage, obwohl sie lediglich das Modell der Multis kopieren,  wird dies zu Aufständen führen. Der Tenor der Kleinunternehmer ist jedoch klar: Entweder müssen alle steuerlich gleich behandelt werden oder niemand zahlt Steuern.

Druck auf Gesetzgeber erhöhen

Was hier passiert, is ein hervorragendes Beispiel von einfachen Bürgern, die ihre Möglichkeiten erkannt haben und gemeinsam an einem Strang ziehen. Das vorrangige Ziel ist nicht primär, keine Steuern mehr zu zahlen, sondern Druck auf die Gesetzgeber zu machen, damit diese die rechtlichen Schlupflöcher für multinationale Konzerne schließen. Berechnungen zufolge entgehen Staaten weltweit jährlich bis zu € 650 Milliarden durch die Verschiebung von Geldern in Steueroasen. Und das in Zeiten, in denen viele Länder sich immer mehr verschulden müssen.

Die Bewohner Crickhowells könnten hier vielleicht schon bald als Beispiel für viele andere Orte in ganz Europa vorangehen. Außergewöhnliche Lösungen wie diese haben in dem kleinen walisischen Ort allerdings lange Tradition. Als in einem historischen Pub ein Supermarkt einziehen wollte, brachten die Bewohner Crickhowells kurzerhand eine halbe Million Pfund zusammen und kauften das Gebäude selbst. Ein hervorragendes Beispiel für Crowdfunding, um die Dinge zu bewirken, die Menschen in der Welt oder ihrer Umgebung sehen wollen.

Ein ausführlicher Bericht ist hier zu finden.

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