Mi amore Bialetti

Mi amore Bialetti

Es muss einer meiner ersten Italien-Aufenthalte mit meinem Vater, meinem Bruder und ein paar Freunden meines Vaters gewesen sein. Ich erinnere mich noch sehr genau an das Apartmenthäuschen in Bibione, das wir für ein paar Tage gemietet hatten. Mit seiner rustikalen, grobporigen Fassade und den Dachschindeln, auf die wir von unserem Schlafzimmerfenster im ersten Stock hinunter schauen konnten. Ich erinnere mich aber vor allem auch an die Küche, die zu meiner Verwunderung voll mit Geschirr ausgestattet war. Ich hatte bis dahin noch nie in einem Ferienapartment übernachtet und öffnete neugierig einen Schrank nach dem anderen, um zu sehen, was sich dahinter alles verbarg. Dabei stießen mein Bruder und ich irgendwann auch auf eine eigenartig geformte Kanne. Sie war eckig geformt und wir erkannten, dass man sie wohl in der Mitte auseinanderschrauben konnte. Wozu das aber gut wäre, konnten wir uns nicht erklären. Unser Vater klärte uns dann darüber auf, dass es sich um einen Bialetti-Espressokocher handelte und sich ein solcher in jedem guten italienischen Haushalt befand. Deshalb zählte er auch zur Standard-Ausstattung unserer Küche im Apartment. Das ist nun wahrscheinlich gut 20 Jahre her.

20 Jahre auf Abwegen

In den letzten Jahren kam der Kaffee, den ich hauptsächlich zu mir nahm, entweder aus einem Bohnen-Kaffeevollautomaten, wenn ich im Büro trank oder zuhause aus einer Pad-Maschine. Ich habe mir nie viel aus glänzenden Kapseln gemacht und redete mir ein, dass die Stoffpads umweltfreundlicher wären. Ich muss zugeben, dass der Kaffee auf diese Weise aber immer etwas anders schmeckte und manchmal auch nur sehr dünn wurde. Vor kurzem hatte ich es dann satt und wünschte mir wieder richtigen Kaffee auf den Frühstückstisch oder besser gesagt, die Küchenbar, wo ich dieses zumeist einnehme.

Also fing ich an, im Internet zu recherchieren. Ich erhalte regelmäßig Newsletter von einem Büroausstatter-Versandhaus, wo ich häufig auch Dinge für´s Büro einkaufe, weil ich den Service einfach herausragend finde und die Ware immer schnell geliefert ist. Im letzten Newsletter wurde praktischerweise ein Kaffeevollautomat angepriesen und so konzentrierte sich meine Suche zunächst auf ein solches Gerät. Doch so einfach wie ich dachte, war es dann doch nicht. Wer versucht, zumindest so weit es gut möglich ist, als bewusster Konsument zu leben, lässt sich nicht einfach von einem günstigen Preis überzeugen und bunt blinkenden Lichtern. (Obwohl blinkende Lichter schon recht cool sind) Doch sollte es eine Dampfdüse sein oder lieber ein integrierter Milchaufschäumer? Worauf würde ich beim Mahlwerk achten müssen und wie oft müssten all diese Schläuche und Behälter gereinigt und gewartet werden?

Ich recherchierte im Internet und stattete auch dem Elektronikfachhändler meines Vertrauens einen Besuch ab, doch irgendwie schienen mir all diese Geräte dann doch zu komplex für meinen Bedarf. Brauchte ich wirklich Cappucino und Latte Macchiato auf Knopfdruck? Waren all diese fragilen Teile hinter den wunderschönen Gehäusen nicht geplante Sollbruchstellen, die irgendwann brechen und ersetzt wollen würden? Und wo überhaupt wurden all diese Maschinen hergestellt? Wer profitierte von meiner kleinen privaten Scheckbuchdiplomatie?

Flux-Kompensa… err, Percolator.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich eigentlich nicht jeden Morgen Cappuccino trinken wollte, sondern ich meinen Kaffee meist entweder schwarz oder mit einem Schuss Milch trank. Wozu also einen Kaffeevollautomaten anschaffen, selbst wenn er mich jeden Tag nach dem Aufstehen mit 20 bunten Lichtern anblinzeln würde, deren Sinn und Funktion mir auf ewig ein Rätsel bleiben würden?  So stieß ich schnell auf Espresso-Maschinen, die mit Druck arbeiteten und es freute mich zu sehen, dass diese günstiger waren als die Vollautomaten, die ich mir bisher angesehen hatte. Doch bei der Recherche stieß ich noch auf einer andere Art von Kaffeemaschine, nämlich auf elektrische Kocher, die nach dem Percolator-Prinzip arbeiteten und die in ihrer Form dem Espressokocher von Alfonso Bialetti nachempfunden waren.

Spätestens an dieser Stelle tauchten die Erinnerungen aus meiner Kindheit wieder auf. Eine kleine Aluminium-Moka-Kanne, die sich in jedem italienischen Haushalt findet, müsste doch gut genug sein, um auch meine koffeingetriebenen Gelüste zu befriedigen. Zu meiner Enttäuschung führte mein Elektrohändler keine Bialetti-Kocher, obwohl ich ihm gerne einen abgekauft hätte. Auch andernorts wurde ich nicht fündig. Erst ein Tipp führte mich in ein Geschäft, an dem ich schon oft vorbei gegangen war, das ich aber noch nie betreten hatte und das neben Haushaltswaren und Dekoartikeln noch viele andere Kleinode und Utensilien führt. Kaum war ich im Laden, lachte mich bereits ein Regal voll mit Bialettis in allen Größen und Formen an. Hier war ich richtig.

Als ich da so vor dem Regal stand und das richtige Modell für mich suchte, sprach mich sehr rasch eine freundliche Mitarbeiterin an und bot ihre Hilfe kann. Sie zeigte mir noch die BialettiKannen, die für Induktionsherdplatten geeignet waren und ich hatte mich rasch entschieden. Ich ließ mir die Moka Express zur Kasse legen und schaute mich noch ein wenig um. Während ich durch das Lokal ging, frage ich mich, warum ich dort noch nie gewesen war. Das Personal war überhaus hilfreich und freundlich und ich erblickte viele Dinge, die es ansonsten wohl nur im Internet gab oder in weiter entfernten Läden. Voller Vorfreude brachte ich meine kleine Bialetti heim.

Nachdem ich die Kanne einige Male nur mit Wasser aufkochte, wie es in der Beschreibung stand, schaffte ich es am nächsten Tag auch, Kaffee zu kaufen, der mir zu meinem Glück noch fehlte. Ich hatte bislang ja nur Pads zuhause und es erschien mir irgendwie nicht richtig, eines davon aufzuschneiden, um den Espressokocher zu testen. Wenn dann schon richtig, dachte ich mir und dann mit echtem italienischen Kaffee (… aus Südamerika).

Der erste Durchlauf

Ich füllte den unteren Edelstahlbehälter also bis zum Ventil mit Wasser, schüttete etwas gemahlenen Kaffee in das Sieb, schraubte das Ganze zu und stellte es auf die Herdplatte. Schon am Vortag beim Kochen mit Wasser fiel mir das interessante Geräusch auf, das dabei entstand. Erst beim Blick ins Innere der Bialetti verstand ich wirklich, wie diese tatsächlich funktionierte und wie ausgeklügelt diese Erfindung aus 1933 doch eigentlich war. Auch jetzt mit Kaffee war es eine wahre Freude, dem Kochen zuzusehen und zu verstehen, was sich innerhalb der Kanne gerade abspielte; wie das Wasser durch den Dampf getrieben durch den Kaffee gedrückt wurde, hinauf durch die kleine Metallröhre in der Mitte der oberen Kanne und dort als Kaffee austrat und sich sammelte.

Ich war überrascht wie schnell sich der Kaffee auf diese Weise zubereiten lässt, vom Geschmack gar nicht zu sprechen. Vor allem aber verstehe ich beim einfachen (unkaputtbaren?) Aufbau der Mokkakanne nicht, wie ich nur je daran denken konnte, mir eine andere Form der Kaffeezubereitung anzufangen. Zudem ist die Bialetti mit nicht einmal 40 Euro deutlich günstiger als Vollautomaten oder Espresso-Automaten und mit Sicherheit deutlich wartungsärmer. Dazu noch ein echtes Produkt mit Geschichte aus bella Italia, das in Europa hergestellt wird und von Anfang an so perfekt war, dass es seit der Erfindung 1933 kaum verändert werden musste. Mein absolut verführerischstes Angebot der letzten Zeit!

 

Es muss einer meiner ersten Italien-Aufenthalte mit meinem Vater, meinem Bruder und ein paar Freunden meines Vaters gewesen sein. Ich erinnere mich noch sehr genau an das Apartmenthäuschen in Bibione, das wir für ein paar Tage gemietet hatten. Mit seiner rustikalen, grobporigen Fassade und den Dachschindeln, auf die wir von unserem Schlafzimmerfenster im ersten Stock hinunter schauen konnten. Ich erinnere mich aber vor allem auch an die Küche, die zu meiner Verwunderung voll mit Geschirr ausgestattet war. Ich hatte bis dahin noch nie in einem Ferienapartment übernachtet und öffnete neugierig einen Schrank nach dem anderen, um zu sehen, was sich…

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