Kommentar: Novomatic kauft Zuckerfabrik Siegendorf

Kommentar: Novomatic kauft Zuckerfabrik Siegendorf

Manchmal merkt man erst, welchen Schatz man vor der Haustüre hat, wenn sich etwas verändert. Man sollte meinen, ein Artikel über eine alte Zuckerfabrik könnte nicht mehr allzu viel Aufsehen erregen. Doch der Bericht “Novomatic kauft Zuckerfabrik”  in der heutigen Online-Ausgabe der BVZ sorgte in den sozialen Medien durchaus für erhöhte Aufmerksamkeit für den alten Backsteinbau.

Der österreichische Milliardenkonzern Novomatic hat einen Teil der Zuckerfabrik Siegendorf, Österreich gekauft und will dort Geschäftsflächen für ein Einkaufszentrum schaffen. Nach ersten Angaben soll kein Glücksspiel vor Ort stattfinden. Anspielungen darauf, dass es ohnehin zu wenige Einkaufszentren gäbe (Ironie) ließen bei Facebook nicht lange auf sich warten. Auch Befürchtungen dahingehend, dass die Shopping-Flächen eine weitere Belastung der ohnehin bereits stark befahrenen Durchzugsstraße bedeuten würden, wurden rasch geäußert.

Siegendorf ist eine kleine 3000-Seelen-Gemeinde im Burgenland nah der ungarisch-österreichischen Grenze und rund 50 km östlich von Wien entfernt, mit einem ansehnlichen Gewerbegebiet und einem Fachmarktzentrum, das sich direkt neben dem Bereich der Zuckerfabrik Siegendorf befindet, der nun von Novomatic gekauft wurde und umgebaut werden soll. Weshalb gerade dieses Beispiel meine Aufmerksamkeit erregt hat und ich nun hier darüber schreibe, liegt vor allem daran, dass ich die Region gut kenne. Zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen schreibe, liegt mir die Zuckerfabrik von meinem Büro aus in Sichtweite gegenüber. Ich kenne die alten Ziegelgebäude allerdings nicht nur von der Weite, sondern durfte sie auch schon mehrmals von innen besichtigen. Viele Flächen befanden sich dabei augenscheinlich noch immer in dem Zustand, der vorherrschte, als die Fabrik vor mehr als 25 Jahren ihren Betrieb einstellte. Für viele mag es einfach ein heruntergekommenes Gebäude sein, für mich war es immer ein magischer Ort, der seine ganz eigene Geschichte zu erzählen wusste und nach wie vor viele Potenziale in sich birgt.

Visionen für die Zuckerfabrik

Während sich für viele Hallenflächen offensichtlich kein Investor fand, der bereit war, die Renovierungskosten zu übernehmen und die Flächen einer neuen Nutzung zuzuführen, wurden einige andere Flächen sehr wohl vom Besitzer instand gesetzt und als Büro- und Gewerbeflächen vermietet. An Visionen für die leerstehenden Flächen mangelte es sicherlich nicht. Auch wir, die die Zuckerfabrik fast täglich vor Augen hatten, haben uns immer wieder Gedanken gemacht, wie diese Flächen nutzbar gemacht werden könnten. CoWorking-Spaces, Experimentierflächen für Kunstprojekte, Werkstätten, Kreativ- und Fotostudios, sogar neue Formen von Schulen und andere Ideen standen im Raum, aber letztendlich fehlte dann wohl doch etwas, um tatsächlich ein nachhaltiges Konzept in die Realität zu bringen.

Bestimmt nun Novomatic?

Die Meldung über den Kauf eines Teils der Zuckerfabrik durch die Novomatic Group mag Freud und Kritik gleichermaßen auslösen. Während sich einige über die Sanierung und neue Einkaufsmöglichkeiten freuen, sehen andere wenig Sinn darin, neue Verkaufsflächen in einem Land zu schaffen, das ohnehin die Rangliste der meisten Verkaufsflächen pro Kopf mit 1,75 m² pro Einwohner anführt. Lobenswert ist wohl zumindest, wenn hier nicht wie vielerorts sonst auf grüne Wiese gebaut wird, sondern ein altes Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt wird (sofern dies so geplant ist – Näheres geht aus der Meldung noch nicht hervor).Doch wer bestimmt eigentlich, welche Shops und Angebote dort in Zukunft geboten werden oder ob womöglich doch irgendwann ein großzügiges Casino dort entstehen kann? Wer entscheidet, ob vergrößert wird, ob auch ein Dienstleistungsbereich enstehen soll, ob regionale Kleinbetriebe oder gar internationale Top-Marken einziehen?

Alle, die Occupy Super Market kennen, wissen, dass der neue Besitzer Novomatic nicht allein entscheidend sein wird. Wer tatsächlich darüber entscheidet, welche Angebote dort zu finden sein werden und welche nicht, sind nämlich die Tausenden von Scheckbuchdiplomaten und -diplomatinnen der Region. Sie bestimmen mit jedem ihrer Einkäufe, welches Konzept sich hält, ob es weiter ausgebaut wird oder womöglich sogar doch ein neues Konzept her muss. Und wenn sie sich zusammen tun, können sie vielleicht sogar noch mit entscheiden, was mit den restlichen Flächen der traditionsreichen Zuckerfabrik geschehen wird, die derzeit noch auf eine neue Nutzungsweise warten.

Ihr entscheidet: #seidscheckbuchdiplomaten

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