Die beste Investition meines Lebens?

Verdammt! Gerade vom anstrengenden Wocheneinkauf zurück und das Wichtigste vergessen. Babynahrung ist aus. Über den morgigen Feiertag würde es nicht mehr reichen. Ich ahnte, was dies hieß – bei rund 30 Grad im Schatten nochmal zurück ins Auto setzen, zum Supermarkt fahren und das Zeug holen. Ich war schon geschlaucht vom gerade als abgeschlossen gewähnten Einkauf und wusste, dass mir nicht mehr viel Zeit blieb, bis der Laden schloss.

Meine Motivation hielt sich in Grenzen, bis es mir plötzlich durch den Kopf schoss – klar, ich könnte das Rad nehmen! Der Supermarkt war nur zweieinhalb Kilometer entfernt und diesen kleinen Einkauf könnte ich auch problemlos in einem Einkaufssackerl am Lenker transportieren. Mit einem Schlag nahm ich die Fahrt zum Einkaufen nicht mehr als leidige Bürde wahr, sondern plötzlich freute ich mich sogar sehr, los starten zu können und nochmal raus zu kommen. Dieser plötzliche Wandel meiner Gefühlslage hat mich dazu bewegt, nach langer Zeit wieder einen Blogartikel zu verfassen.

Nach langem Hin und Her habe ich mir vor einigen Wochen nämlich einen lange gehegten Traum erfüllt. Seit meiner Jugend hatte ich kein eigenes Fahrrad mehr besessen, aber seit ich wieder aufs Land gezogen war, reifte in mir der Traum, mich auch wieder öfters auf zwei Rädern und mit eigener Muskelkraft fortbewegen zu wollen. Ich habe mich damals dazu entschieden, bei einem kleinen regionalen Händler ein Rad zu kaufen. Mir war natürlich klar, dass ich dasselbe Rad im Internet sicher deutlich günstiger bekommen hätte, aber ich erhoffte mir, dann auch einen Ansprechpartner für alle Fragen rund ums Rad gewinnen zu können – und mein Gefühl ließ mich nicht im Stich – ich war schon mehrere Male dort, um mein Rad noch mit ein paar Extras aufzurüsten und in einem Fall auch zwecks kleiner Reparatur vorbeizukommen und mein Rad-Dealer ließ mich nie im Stich, sondern glänzte durch absolut persönliche und zeitnahe Betreuung.

Fahrrad in Garage

Ich habe nie verglichen, um wie viel günstiger ich mein Fahrrad wohl online kaufen hätte können, aber interessanterweise ist dies für mich nun irrelevant, da ich beim Kauf einfach ein gutes Gefühl hatte und zudem noch Service bekomme – eine Leistung, die man nicht mehr an jeder Ecke bekommt. Würde mich jemand fragen, wie viel mein Rad wert ist, würde ich aus einem Bauchgefühl heraus wahrscheinlich sogar noch einen höheren Preis nennen als den, den ich tatsächlich bezahlt habe.

Aber zurück zur besten Investition meines Lebens. Manchmal muss man Dinge wieder tun, um zu erleben, wie sehr sie einem gefehlt haben. Ich habe völlig vergessen, welches Gefühl es ist, sich aus eigener Kraft fortzubewegen, nicht von Straßen abhängig zu sein, sondern sich nach Lust und Laune auch einfach querfeldein einen eigenen Weg bahnen zu können. Ich habe vergessen, wie gut es tut, sich einen Hang hinunter rollen zu lassen und den Wind in den Haaren zu spüren, wie angenehm es ist, einfach losfahren zu können, ohne immer darauf zu achten, wann der Tank wieder aufgefüllt werden will und wie viel mich das wieder kostet.

Vielleicht fühlt sich der eine oder andere beim Lesen dieser Zeilen nun an das eine Kapitel in OSM erinnert, in dem ich über die Fahrrad-Metropole Kopenhagen schreibe. Auch für mich steht das Argument, dass ich mich mit dem Rad äußerst umweltfreundlich fortbewegen kann, so gut wie gar nicht auf der Prioritätenliste. Es ist höchstens ein angenehmer Nebeneffekt, das zu wissen. Bei der Entscheidung für das Rad für die vergleichsweise kurze Strecke erscheint mir dieses Transportmittel einfach als die logische Antwort auf die Frage nach der Befriedigung eines Bedarfs. Es ist einfach ein verführerisches Angebot! So wie auch für so viele Einwohner der dänischen Hauptstadt.

Spannend ist auch zu sehen, welche Entfernungen sich eigentlich problemlos mit den Rad zurücklegen lassen. In meinem Fall mit dem zusätzlichen Einkauf handelte es sich um eine Kurzstrecke, die zum zu Fuß Gehen zu lang erscheint und die ich früher wahrscheinlich mit dem Auto erledigt hätte. Dabei handelt es sich genau um die Art von Kurzdistanzen, von denen so oft die Rede ist, wenn davon die Rede ist (:-) ) welchen großen Anteil diese geringen Strecken beim Autofahren insgesamt ausmachen und wie viel CO2 dabei eingespart werden könnte.

Ich jedenfalls hoffe, ich habe bald wieder einen Bedarf zur Bewältigung einer solchen Kurzstrecke, denn ehrlich gesagt macht das Radfahren so zwischendurch regelrecht süchtig.

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